Die Situationistische Internationale und die Gesellschaft des Spektakels

Am 25. Februar 2010 findet in Kooperation mit den neocommunist_innen und dem Autor_innenkollektiv BBZN ein Vortrag über die Situationistische Internationale und die Gesellschaft des Spektakels statt. Wie so oft um 19:00 Uhr im Kult.

Ende der 1950er entstand die Situationistische Internationale (SI) um Guy Debord und Raoul Vaneigem, die für die Bewegung der Fabrik- und Universitätsbesetzungen des französischen Mai 1968 eine wichtige Rolle spielte. Mit ihrer Kritik des Spektakels bemühte sich die SI darum, einen kritischen Begriff von Architektur, Kunst und Kultur zu formulieren.
Neben ihren kritischen Interventionen in Kunst und Kultur galt die Kritik der SI traditionellen linken Bewegungen wie der Sozialdemokratie, dem Stalinismus und den verschiedenen nationalen Befreiungsbewegungen mit dem Ziel einer emanzipatorischen Weiterentwicklung bisheriger Revolutionstheorien.
In ihrer Auseinandersetzung mit der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie versuchte die SI eine Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse auf der Höhe ihrer Zeit, die es einer revolutionären Praxis ermöglichen sollte, „die Situation (zu schaffen), die jede Umkehr unmöglich macht“ (Karl Marx)Das Autorenkollektiv BBZN (Biene Baumeister, Zwi, Negator) zum Thema folgende Bücher veröffentlicht: Situationistische Revolutionstheorie, eine Einführung. Volume I: Enchiridion und Volume II: Kleines Organon, Stuttgart 2005.

In Kooperation: GruppeExil / BBZN / neocommunistinnen

Ein verschlepptes Stück Mittelalter: Israel und die Linke

Der Staat der Juden ist seit seiner Gründung Objekt zahlreicher Diskussionen innerhalb der „Linken“. Dabei reicht das Spektrum von einigen wenigen, die sich offen zur Solidarität mit Israel bekennen bis zu denen, die dem Staat im Nahen Osten Imperialismus vorwerfen und ihm jegliches Existenzrecht rauben wollen. Das bei letzterer Denkweise die Grenzen zum Antisemitismus fließend sind, liegt auf der Hand. Zwischen all dem tummeln sich noch diejenigen, die Israel die Solidarität verweigern, da es sich ja auch nur um einen „kapitalistischen Unrechtsstaat“ handle, der weder wichtiger, noch erwähnenswerter sei als all die anderen. Mit Hilfe eines Referates zu dieser Thematik und anschließender Diskussion sollen Argumente geliefert werden, welche die Solidarität mit Israel als wichtiges Anliegen einer aufgeklärten Linken hervorheben. Betrachtet werden hierbei die Gründungsgeschichte des Staates, Israels Bedeutung als Refugium der Holocaust-Überlebenden, der Konflikt innerhalb linker Strömungen, sowie der emanzipatorische Charakter einer solidarischen Beziehung zu Israel.

Wann? Am 15.01. um 13:30 Uhr
Wo? Im jugendclubbureau

„Die Uni brennt“

Kritik an den Studentenprotesten [sic!]

Mittlerweile sind an rund 70 Universitäten in ganz Deutschland Hörsäle und Gebäude besetzt; zudem wird in vielen Städten zu groß angelegten Demonstrationen aufgerufen, welche der Öffentlichkeit die Forderungen der Proteste kundtun sollen. Mit einigen wenigen Ausnahmen, bei denen tatsächlich Worte wie „Kapitalismuskritik“ auftauchen, heißt das im breiten Spektrum der protestierenden Studenten und Studentinnen: Bessere Bildung! Chancengleichheit! und Mitbestimmung! Bei genauerer Betrachtung dieser Wünsche wird deren konstruktiver Charakter deutlich: Es seien nicht die ökonomischen Verhältnisse, die uns in diese bildungstechnische Misslage bringen, sondern die falsche Ausübung der Bildungspolitik von Seiten des Staates. Wo einerseits die „Ökonomisierung der Universitäten“ kritisiert wird, wird zugleich mit den Protestforderungen gewünscht, dass die Atmosphäre an den Unis wieder angenehmer wird. Und wofür? Damit sich Lernen wieder lohnt bzw. damit Lernen wieder Spaß macht. Die Lehranstalten sollen wieder unabhängige und selbst bestimmte Einrichtungen werden, in denen freie Meinungsäußerung und freie Wissenschaft betrieben werden kann (und vor allem darf). Allein dadurch, dass die Kritik der Studierenden bei vielen Politikern und sogar bei Mitarbeitern der Hochschulen Anklang findet, wird einem der für die Wirtschaft durchaus positive Aspekt dieser Bewegung bewusst: Natürlich findet die politische Ebene größtenteils Gefallen daran, dass sich engagierte Staatsbürger für die Verbesserung des Lernklimas einsetzen, denn dadurch kommen dabei letzten Endes wieder motivierte Absolventen heraus, die für den Wirtschaftsprozess benötigt werden. Und gerade bei dem Wunsch nach Chancengleichheit entpuppt sich der tief idealistisch-kapitalistische Gedanke dahinter: Es herrscht Chancengleichheit in unserem System, denn der Begriff „Chancengleichheit“ basiert auf der simplen Tatsache, dass es Konkurrenz gibt. Der Staat hingegen wird sich seiner Rolle als Chancengeber bereits bewusst und gibt jedem die Möglichkeit, am Wettbewerb teilzunehmen, was bedeutet, dass es IMMER Gewinner und Verlierer gibt. Vielleicht wäre über ein Schulsystem ohne irgendeine Art der innerinstitutionellen, noch der gesellschaftlichen Konkurrenz nachzudenken, doch das könnte in den jetzigen Verhältnissen nie realisiert werden. Somit bleiben die Studentenproteste ein Werkzeug der Aufrechterhaltung der wirklich ungerechten Bildungs- und Verwertungsprozesse. Der tief reaktionäre Charakter der Bewegung zeigt sich vor allem dadurch, dass Gruppen, die Kapitalismuskritik mit den Bildungsproblemen verbinden, von den Streikplena als „Ideologen“ betitelt und ausgeschlossen werden. Der Großteil der streikenden Masse zeichnet sich durch eine strikte Weigerung aus, die Proteste in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext einzubeziehen und das unterscheidet die jetzige Bewegung sowohl von den „68ern“ als auch von irgendwelchen emanzipatorischen oder sogar revolutionären Bestrebungen.

Erziehung im Kapitalismus

Als Abschluss der diesjährigen Diskussionstreffen hören wir uns die Aufzeichnung des Vortrages „Erziehung im Kapitalismus – der tägliche Kampf um freiwillige Fügsamkeit“ von Freerk Huisken an:

Erziehung ist ein Kampf zwischen Erwachsenen und Heranwachsenden, in dem nicht das vernünftige Urteil, sondern die Machtposition der Beteiligten den Ausschlag gibt. Eine Zumutung, die als gute Vorbereitung auf die Härten des Lebens gilt, die auf den Nachwuchs in den Bildungsanstalten und auf dem Arbeitsmarkt warten.

Da wäre also einiges zu klären:

* Wozu taugt die Erziehung im Kapitalismus?
* Was entscheidet sich an ihr über den Lebensweg der nachwachsenden Jahrgänge?
* Lässt sich am Ende mit Erziehung die Gesellschaft verändern, wie kritische Zeitgenossen mutmaßen?

Wann? Am 18.12. um 13:30 Uhr
Wo? Im jugendclubbureau

Kommunistischer Literatursalon Nürnberg 27. und 28. November 2009

ça ira Verlag und AG Kritische Theorie präsentieren

KOMMUNISTISCHER LITERATURSALON NÜRNBERG
27. und 28. November 2009

ACHTUNG RAUMÄNDERUNG!
Die Veranstaltungen am Samstag mussten verlegt werden. Der neue Veranstaltungsort ist der Serbische Kulturladen „SKSK Rubin e. V. Balkan“, Holzschuherstraße 4, U-Bahnstation Rothenburger Straße (U 2 und U 3), drei Stationen vom HBF entfernt. Bitte auch die geänderten Anfangszeiten beachten.
Für den Freitag ändert sich nichts.

Freitag, 27. November, K4, Königsstraße 93, Kopfbau (2. Stock)

19:00 Uhr
DAS KONZEPT MATERIALISMUS
Buchvorstellung mit Manfred Dahlmann (ISF Freiburg)
Der revolutionäre Materialismus oder auch: kritischer Kommunismus der Gegenwart hat die Erfahrung der Shoah und hat die Geschichte des Nazifaschismus nicht einer wie immer auch kritisch gemeinten Gesellschaftstheorie anzuhängen und aufzukleben, sondern er hat diese Erfahrung vollendeter Negativität in das Innerste seiner Kategorien aufzunehmen und zu reflektieren. Jedweder ’Marxismus’, der sich weigert, auf diesen Zeitkern der Wahrheit zu reflektieren, ist Müll. Kein Materialismus ist noch denkbar, der dies nicht im Herzen der Kritik der politischen Ökonomie zu bedenken hätte. Es geht darum, der katastrophalen Entfaltung des Kapitals zu seinem Begriff, der Barbarei, kritisch inne zu werden.

21:00
REVOLUTIONSTRIBUNAL – Zur Pathologie des jüngeren deutschen Nationalbolschewismus am Beispiel der jungen Welt.
Mit Joachim Bruhn (ISF Freiburg), Jan Gerber (Halle), und Danyal (Cosmoproletarian Solidarity)
Die sogenannte radikale Linke, die zwar nie radikal, sondern stets sozialdemokratisch war, ist tot. Ihr Verfaulungsprozess lässt sich an der nur ein paar Meter vom Revolutionstribunal entfernten „Linken Literaturmesse“ beobachten. Die einzigen dort feilgebotenen Bücher, in denen noch ein Hauch des Lebens und der Kritik steckt, bieten die Antiquariate an, alles Andere dort ist im besten Falle anachronistisch. Den Kitt, der die Verfaulenden bei der Stange hält, bietet die junge Welt, an der gar nichts jung ist und deren Ideologie von den autochtonen Völkern ein Zentralangriff auf die revolutionäre Idee der einen Menschheit ist, der sich, wie stets im Antiimperialismus, gegen den Staat der Juden und den Westen richtet. Das Revolutionstribunal wird die längst überfällige Beerdigung dieser Zeitschrift und ihres gesamten Linken Anhangs.

Samstag, 28. November, Serbischer Kulturladen „SKSK Rubin e. V. Balkan“, Holzschuherstr. 4

17.00 Uhr
FIGHT FOR FREEDOM – Die Legende vom anderen Deutschland
Buchvorstellung mit Jan Gerber und Anja Worm (Halle)

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg “wurde der Welt die Lüge von der deutschen Unschuld aufgetischt. Die Welt wurde eingeladen zu glauben, daß Deutschland angegriffen wurde und daß es das Schwert zu seiner eigenen Verteidigung gezogen hat. Eine zweite Lüge wird derzeit für den universellen Gebrauch vorbereitet, die Lüge, daß das deutsche Volk an diesem Krieg unschuldig ist.” (Curt Geyer/Walter Loeb 1942)

Während die erste Lüge inzwischen weitgehend vergessen ist, hat die zweite bis heute Bestand. Die Legende vom ‘anderen Deutschland‘ war eine der ideologischen Gründungsvoraussetzungen der Bundesrepublik und der DDR, und bis heute gehört sie zum geschichtspolitischen Repertoire der Berliner Republik.

Curt Geyer, Walter Loeb und die Mitglieder der Gruppe “Fight for Freedom” zählen zu den wenigen, die dieser Legende schon in den frühen vierziger
Jahren, im britischen Exil, entgegentraten. Mit Artikeln, Broschüren und Dossiers (die hier erstmalig in deutscher Übersetzung geboten werden)
unterstützten sie Sir Robert Vansittart, Mitglied des Oberhauses und Publizist, neben Henry Morgenthau noch immer einer der in Deutschland
bestgehaßten Männer.

19:00 Uhr
WIDER DIE GESUNDHEITSRELIGION – Über das Krisenphänomen Gesundheit
Vortrag von Leo Elser (Redaktion Pólemos)

Nicht nur metaphorisch lässt sich eine Gesundheitsreligion – wenn auch ohne jede Transzendenz – diagnostizieren: Das Ideal ist unerreichbar, und der Weg führt über Entsagung von Genussmitteln, Selbstkasteiung im Sport und die Beichte beim Hausarzt. An die Stelle der Priesterrobe tritt der Arztkittel, an die des Wissensmonopols mittelalterlicher Kleriker auf den Weg zum Seelenheil das der Mediziner auf den zur Gesundheit.

Die Unterwürfigkeit des Patienten vor dem weißen Kittel, die Totalisierung der Medizin, die steigende Anzahl verschriebener Psychopharmaka, „ganzheitliche Ernährung“, Diäten, „Nichtraucherschutz“ und Fitnesskult sind längst zur Alltagsideologie geworden, von der nicht nur ganze Industriezweige leben, sondern die weitreichende Teile der Lebenszeit der Individuen vereinnahmt. Der den Gesunden eigentümliche „krampfhafte Hang zum Positiven“ (Adorno) ist jedoch das Anschmiegen an den Prozess der Vergesellschaftung selbst, der autoritäre Versuch widerspruchsfreie Identität herzustellen, den Freud verzweifelt als „Todestrieb“ auf den Begriff zu bringen, Heidegger affirmativ als „Sein zum Tode“ zu ontologisieren suchte.